Das Auto ist für viele Amerikaner das Statussymbol schlechthin. Durch die Wahl des Autos will man sich identifizieren, sich charakterisieren und sich präsentieren. Kein Wunder, dass deshalb auch der ärmste Schlucker einen noch so grossen Monstertruck fahren muss. So kommt es auch, das der Toyota Prius nicht einfach nur ein Hybrid Auto ist, sondern zu einem Symbol der liberalen Linken hochgestiegen ist – insbesondere hier in California. In einem Artikel der New York Times geben 57% der Prius Besitzer an Prius zu fahren, weil es ein “statement about me“ macht. Ja sogar der ehemalige CIA Chef James Woolsey fährt Prius – wenn nicht aus ökologischen Gründen, dann aus geopolitischen. Woolsey ist die Abhängigkeit der USA von Erdöl aus dem Mittleren Osten ein Dorn im Auge. Entsprechend hat er seinen Prius mit einem Bumpersticker “Bin Laden hates this car” ausgestattet.
Über 1 Million Priuse sind laut Toyota seit dessen Einführung schon verkauft worden – und mit einem davon fahre ich jetzt schon über eine Woche herum. Der Prius ist mit allem modernen Schnickschnack den man sich vorstellen kann ausgerüstet – eigentlich ein fahrender Supercomputer. Mit dem Elektromotor kann man sich unbemerkt hinter jedem Verkehrspolizisten vorbeischmuggeln und der Bordcomputer berechnet laufend den richtigen Mix zwischen Elektro- und Benzinantrieb. Entsprechend ist der Benzinverbrauch mit 49 Meilen pro Gallone (etwa 5 L pro 100 km) gering – für amerikanische Verhältnisse sogar sehr gering. Ja, es ist ein gemütliches Fahren mit dem Prius – eigentlich muss man nur noch das Lenkrad halten, der Rest erledigt der Bordcomputer.
Aber mal unter uns: vor gut 30 Jahren lag der Benzinverbrauch eines Renault 4 auch etwa bei 5 Liter pro 100 km – und das obwohl man vollbeladen Vollgas fuhr (also wer Purzel’s Fahrstil kennt, weiss von was ich rede ). Der Renault ratterte und dampfte – fast wie der gute alte Neon. Tja, ich muss schon sagen, der Spassfaktor war beim Neon um Grössenordnungen grösser als beim Prius. Bleibt nur zu hoffen, dass uns Computer in Zukunft nicht noch den letzten Spass rauben Buenas noches.
Wer kenn es nicht, das Bild von Ansel Adams auf dem sich der Half Dome im Mirror Lake spiegelt. Ansel ist da ein echtes Meisterwerk gelungen; dennoch, in Natur ist das ganze noch viel eindrücklicher, auch wenn der Mirror Lake wegen diversen Veränderungen zu einer kleinen Pfütze zusammengeschrumpft ist. Ehrensache, dass ich da mal auf den Half Dome rauf musste.
Mit einer Höhe von 2′693 m ist der Half Dome ein eher kleinerer Berg in der Sierra Nevada – dafür ist er wohl der eindrücklichste Granit Brocken überhaupt. Bis in die späten 1870’er Jahre galt er als unbesteigbar. 1919 wurden Eisenstuffen in den Fels gehämmert (siehe Bild), sodass man den Gipfel heute auch ohne Kletterausrüstung erreichen kann. Dennoch, ein falscher Tritt und man rutscht 1′400 m in die Tiefe.
Nach einer kurzen Nacht in einem der Zelte des Nationalparks mach ich mich morgens um 6 Uhr auf die Socken. 1′444 Höhenmeter auf etwa 14 km Wanderweg gilt es zu überwinden. Der Aufstieg über die Rückseite des Half Dom’s führt durch Geröllhänge, Wald und vorbei an eindrücklichen Wasserfällen. Erst die letzten 130 Höhenmeter müssen auf den in den Felsen gehämmerten Stufen überwunden werden. Ganz wohl ist es mir nicht, als ich mich an den Eisendrähten von Stufe zu Stufe langsam zu Gipfel hinaufziehe – links und rechts von mir 1′400 Meter gähnende Leere. Mich trifft fast der Schlag als einer über mir seine Wasserflasche fallen lässt und diese dann über den glatten Granit an mir vorbei in die Tiefe schlittert…
Schweissgebadet, aber überglücklich erreiche ich den Gipfel – eigentlich nicht wirklich ein Gipfel, eher eine Plattform etwa so gross wie mehrere Fussballfelder (bei Fussball hier oben wird einem aber ganz mulmig). Gut 10 weitere Bergsteiger sind schon gemütlich am Brötchen essen und Tee trinken. Assiaten, Latinos, Weisse und ein Schwarzer – eigentlich alle Bevölkerungsgruppen unserer Erde. Wir fachsimplen über den Aufstieg, Höhenangst und Klimaerwärmung – und das trotz sprachlichen Schwierigkeiten. Na bitte, Völkerverständigung kann doch ganz leicht sein.
Barak Obama, the Rock Star, the one who will change America, the saver of America, the one who will make America Nr. 1 again! Pünktlich zur Nominierung von Obama bin ich in SFO International Airport gelandet. Ja, und effektiv scheint es als ob die Obamania auch auf die Security- Beamten des Flughafens übergeschlagen hat. Statt autoritären Kontrollen und Befragungen sind die Zollbeamten äusserst relaxed und witzeln über den allzu deutlichen Akzent von Gov. Schwarzenegger während sie unmotiviert in meinem Pass blättern. Aber von vorne:
Also, etwa gegen 8Uhr abends landen wir pünktlich in San Francisco und die ganze Stadt schimmert rot in der untergehenden Sonne. Nach reibungsloser Pass- und Zoll-Kontrolle geht’s zur Autovermietung. Ein Ford Mustang Cabriolet wäre natürlich mein Traumauto – ist allerdings auch fast dreimal so teuer wie Autos der economy class. Der Verkäufer macht mir die Wahl einfacher – ich könne einen Toyota Prius Hybrid für den Preis der economy class haben. Free upgrade! Great mileage, over 40 miles per gallon! Na, wo man soviel über den Toyota liesst kann ich da schlecht nein sagen, mal sehen was an der Geschichte dran ist.
Ich schmeisse also meinen Rucksack in den Kofferraum und fahr los. Der Toyota ist ein echtes Meisterwerk der Elektronik. Ein kleiner Bildschirm zeigt an welcher der beiden Motoren (Benzin oder Elektro-) gerade wie viel Energie liefert. Die Bedienung ist auch nicht ganz ohne. An der ersten Ampel stellt der Motor ab lässt sich nicht mehr anstellen – in dieser Hinsicht ist er ja fast wie der gute alte Neon Allerdings stellt sich schnell heraus, dass der Hybrid bei Stillstand und Langsamfahren auf Elektro-Motor umstellt. Schlaues Ding! Bis ich alle Facetten des Fahrzeugs begriffen habe wird’s wohl noch eine Weile dauern. Nichtsdestotrotz lass ich mich mit den Verkehr durch San Francisco treiben. Irgendwie ein herrliches Gefühl in die Anonymität einer solchen Mega-Metropole einzutauchen.
Hauptthema im Radio ist natürlich die Nominierung von Obama, der in Denver (Colorado) vor über 80′000 begeisterten Fans die Präsidentschaftskandidatur offiziell annahm. Auch das Fernsehen (habe mich nachdem sich meine erste Begeisterung gelegt hat in einem Motel 6 niedergelassen) ist voll mit Berichten über Obama. Mehr dazu morgen – muss jetzt etwas Schlaf nachholen; und ausserdem ist die Internetverbindung, trotz stolzen Preis von 3$ die Stunde, extrem langsam. Good night.
Hi Leute! Tja morgen ist es wieder soweit… mir kribbelt’ s schon im Bauch… ein eigenartiges Gefühl, so kurz vor dem Sprung in die grosse weite Welt. Ausser dem Flug rüber nach San Francisco und der Besuch am TERC (Institut des Lake Tahoe) ist nichts geplant… keine Ahnung ob ich runter nach Mexiko fahr, auf den Half Dome raufklettere oder doch an der Küste in irgendeinem Hippie-dorf nach dem Sinn des Lebens sinnieren werde… Que sera sera
Nun bin ich schon über 3 Monaten wieder zurück, im guten alten Europa. Die Zeit im wilden Westen war echt toll – und natürlich reizt es mich, bald wieder in die Ferne zu ziehen. Bis bald einmal
Hier noch die Bilder, die um die Welt gegangen sind: ein Bär hat sich in der Nacht auf die Autobahnbrücke über dem Trukee River zum Lake Tahoe verirrt und konnte sich dann nicht mehr in Sicherheit bringen… Ob man auf der Nydeggbrücke in Bern auch mal einen Bären sehen wird?
Wer hat nicht schon mal stundenlang Bilder des Eindrücklichen Grand Canyons angeschaut und sich vorgestellt als Weisskopfadler um die mächtigen Kalksäulen herumzufliegen? In Wirklichkeit ist der Anblick noch viel atemberaubender, das kann man in Worten gar nicht ausdrücken. Insbesondere bei Sonnenauf- oder Untergang: dann schimmern die bis zu über 1800 Millionen Jahre alte Erdschichten in allen Rottönen und verleihen dem ohnehin schon unglaublichen Naturspektakel eine zusätzliche Prise Romantik. Klar, dass ich mir das einmal näher anschauen wollt…
Ich parkiere (jaja, das ist wohl Züridütsch) meinen Neon auf einem kleinen Parkplatz einige Meter von der Südkante des Canyons entfernt. Die Sonne ist schon untergegangen und da ich vor Sonnenaufgang den Abstieg beginnen will, mach ich es mir in meinem Neon bequem – naja, so gut es halt in einem Sport coupé geht. Viel Schlaff finde ich eh nicht, da ich viel zu ungeduldig auf den erlösenden Wecker warte, der das Zeichen zum Abstieg gibt.
Gegen sechs Uhr früh mach ich mich auf die Socken. Die ersten Hundert Höhenmeter durchlaufe ich in Halbfinsternis – Wolken verdecken den Mond und die Sonnenstrahlen schaffen es noch nicht ganz über die Canyonkante hinweg. Doch genau als ich auf einem Plateau hinaus zum Hauptcanyon laufe, geht die Sonne auf und der Canyon erstrahlt in seiner vollen Pracht – unglaublich. Ich setz mich auf eine kleinen Felsbrocken und frühstücke im Strahlenmeer, welches den Canyon durchflutet.
Der Abstieg geht viel schneller als ich anfangs angenommen habe. Kurz vor zehn Uhr morgens habe ich die 1800 Höhenmeter überwältigt und erreiche den braun gefärbten Colorado River. Die andauernde Trockenheit der letzten 8 Jahre (Klimaveränderung?) haben den Abfluss jedoch beträchtlich zugesetzt. Viel mehr Wasser als in unserer Aare (längste Fluss der ganz in der Schweiz liegt) fliesst hier nicht mehr ab. Ich fachsimple mit ein paar Rafter über die Rapids des Canyons, welche im vergleich zum Klamath River wirklich wie sanfte Wellen wirken.
Gegen Mittag nehme ich den mühsamen Aufstieg in Angriff. Das gefährliche am Grand Canyon ist wohl, dass man zuerst, gut ausgeruht, runter läuft und erst danach den anstrengenden Aufstieg bewältigen muss. Desto höher ich mich den Canyon hinauf schleppe, desto mehr Touristen begegne ich. Im obersten Viertel tummeln sich Touristen aus aller Welt – Japaner fotografieren jeden Stein, Chinesen essen Nudelsuppe am Wegrand, Holländer geniessen Bier in der Sonne, ein Moslem führt sogar seine weibliche Begleitung ein Stück weit den Canyon hinunter… und alle mühen sich am spätern Nachmittag den Canyon hinauf. Tja, an so einem Steilhang merkt man, dass wir Menschen, trotz kulturellen Unterschieden, im Grunde alle aus dem gleichen Holz geschnitzt sind.
Das ‚Tal des Todes’ war vor nicht allzu langer Zeit ein gefürchtetes Hindernis für viele Siedler die auf der Suche nach dem grossen Glück nach Westen zogen… nur etwa 130 km östlich von Mt Whitney befindet sich der tiefste Punkt (85 m unter dem Meeresspiegel) der USA. Die heimtückische Trockenheit hat in der Vergangenheit schon einigen Pionieren das Leben gekostet – tja, das Tal trägt den Namen nicht zu unrecht.
Nach einer letzten Abschiedsparty am Institut, bei der wir alle schlussendlich im nahen Casino beim Live Konzert der Devil make three abfeiern, mach ich mich mit etwas Wehmut (ja die Zeit am Tahoe war great!) auf den Weg Richtung Death Valley und Las Vegas. Bis Lone Pine führt der Weg auf dem wohlbekannten Highway 395 (siehe frühere Einträge) Richtung Süden, von dort geht’s dann Richtung Osten in die trockene Salzwüste. Eindrücklich schimmern die Granit- und Metamorphe Gesteinschichten der Umliegenden Felsflanken in unterschiedlichen Farben. Warnschilder machen auf die Gefahr aufmerksam, dass Automotoren bei Temperaturen über 100°F gerne mal überhitzen und daher die Klimaanlage ausgeschalten werden soll… ha, das kommt mir ja bekannt vor . Bedächtlich lenke ich den Neon den kurvigen Highway 190 ins Tal hinunter. Die ‚Service Engine Soon’ lampe, die seit einigen Tagen bei meinem Neon aufleuchtet, ist auch nicht gerade beruhigend.
Bad water heisst der tiefste Punkt des Tales – früher gab es hier einen kleinen Salzsee, heute gibt es nur noch eine kleine Pfütze mit Salzwasser. Das faszinierende an dem Ort ist jedoch vielmehr die Verkrustung der ausgetrockneten Erde – überall glitzern Salzkristalle in der Sonne und manchmal haben sie sich sogar zu Sechsecken zusammengeformt, die mehrere Meter Durchmesser haben können. Dennoch: ehrlich gesagt bin ich froh, dass ich es mit dem Neon vor Dunkelheit wieder aus dem Tal raus schaffe.
Zirka 80 Meilen östlich der CA/NV-Stateline liegt Las Vegas, oder Sin City, wie die Stadt auch manchmal genannt wird. Zirka 10 Meilen vor der Metropole fängt der Himmel an zu schimmern – zuerst ganz leicht, dann immer stärker und fast könnte man meinen die Sonne würde im Osten aufgehen. Auf der letzten Hügelkette erblickt man es dann, das Lichtermeer von Las Vegas, welches die umliegende Wüste gleich miterleuchtet.
Hi folks! Zuerst mal herzlichen Dank an euch alle! Ihr habt mich immer wieder ermuntert Weiterzuschreiben. Eigentlich hätte ich ja viel mehr zu erzählen – wie z.B meinen Trip zum Yosemite, auf dem ich dann eine Familie aus El Salvador, die eine Autopanne hatte, mitgenommen habe – zu sechst, mit Gepäck (und Südamerikaner haben nicht nur ein kleinen Rucksack dabei ) wird’s ganz schön eng im kleinen Neon.
Tja, vor mir liegen jetzt drei Wochen Abenteuer – zuerst mal den Grand Canyon durchwandern, dann werde ich mit Estelle und Geraldine Vegas auf den Kopf stellen. Internet Anschluss werde ich wohl nicht immer haben – aber bei Gelegenheit werde ich mich melden…
Bis dahin, alles Gute – and… Keep Tahoe Blue
PS: anbei noch ein kleiner Film über einen typischen Arbeitstag auf dem Tahoe – viel Spass…