Going to the market in Islamabad

In den meisten moslemischen Ländern ist der Freitag (Gebetstag) ein freier Tag und das Wochenende fängt schon am Donnerstag an – dafür wird am Samstag und Sonntag gearbeitet. Wegen den wirtschaftlichen Bindungen zum Westen gilt jedoch in Pakistan ein westlicher Wochenrhythmus: Samstag und Sonntag sind Feiertag. Die Geschäfte sind geschlossen und auch sonst ruht die Arbeit – ausser auf dem lokalen Marktplatz, dort preisen Bauern Ihre Gemüse und ihr Vieh an. Ein faszinierendes Treiben – trotz Anschlagsgefahr.

Aber von vorne: Nach dem Ende des Workshops bin ich aus unserer Festung (unsere afghanischen Freunde nennen unser Hotel spöttisch Guantanamo – wegen der hohen Sicherheitsdispositiv) in ein kleines, unscheinbares Guesthaus umgezogen in einem ruhigen Wohnquartier (ganz sicher kein Anschlagsziel). Die Unterkunft ist bescheiden aber genügt meinen Ansprüchen vollkommen (das Bad ist zwar etwas schimmlig, aber sonst ist es sehr sauber). Im Fernsehen laufen pausenlos kitschige, indische Soap operas – wohl ein weiteres Paradox: in einem Land, dass mit Indien verfeindet ist und wo über 80% der Hochzeiten von den Eltern arrangiert werden, geniessen indische Soap operas über komplizierte Liebesaffären eine irrsinnige Popularität.

Nun, da ich bis Mittag Zeit habe und das Fernsehprogramm echt nicht meinem Geschmack entspricht, mach ich mich auf eine Runde joggen zu gehen. Als ich der Hauptstrasse entlang mich dem Zentrum nähere, häufen sich die zahlreichen Polizeikontrollen. Betonklötze sind auf die Strasse gelegt worden und jedes Fahrzeug wird von umstehenden Polizisten begutachtet. Fasziniert schau ich dem chaotischen Treiben zu – denn jedes Fahrzeug versucht so schnell wie möglich sich an den Kontrollen vorbeizudrängen, was zu einem unüberblickbaren Wirrwarr führt – bin mir nicht sicher ob da wirklich jedes Auto regelkonform inspiziert wurde.

Nach einigen weiteren Kontrollposten gelange ich an den Ursprung des ganzen Tumults: der wöchentlich Markt. Vor dem Eingangstor ist ein blitzblanker Metalldetektor aufgebaut… Alle Besucher und Verkäufer müssen diesen passieren, was zu einem noch viel grösseren Chaos führt. Ein Metallhändler gestikuliert wild herum und schimpft intensiv auf den Wachmann ein – wird wohl schwierig sein mit seiner Ware die neuen Sicherheitsbestimmungen zu umgehen. Wie dem auch sei, ich zwänge mich an den vielen Leuten vorbei und passiere die letzte Kontrolle. Der Markt bietet das übliche Bild: alles was man brauch kann man hier bekommen, vom Schafskopf, zu Teppich aber auch Metallwaren und Schwerter – also gibt’s doch Händler die die neuen Bestimmungen umgehen konnten ;-) Zu meinem Erstaunen läuft der Handel sehr gepflegt und geordnet ab – es wird nicht viel gehandelt und manche Stände haben sogar Preisschilder an der Ware angebracht. Ganz anders als andere Märkte in der dritten Welt, ist dieser Markt sehr sauber und gepflegt.

Ich gönne mir ein grosses Glas frisch gepressten Orangensaft – kostet gerade mal 40 Rappen (in der Schweiz würde man gut 20-mal soviel zahlen). Zwar wäre ab und zu auch mal ein Bierchen gemütlich, aber mit der Zeit gewöhnt man sich auch an das – bis bald.

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