
Nun, wie fühlt man sich wohl in einem Land, indem man Polizeistationen meiden sollte, Menschenmengen aus dem Weg gehen sollte und ständig aufpassen muss nicht entführt zu werden? Die Antwort ist ganz einfach, ganz normal – ist man fast gewillt zu sagen. Aber eigentlich hat man gar keine Zeit über solche Sachen nachzudenken – oder doch?
Der Tag fängt ganz ermunternd an: ‚Top Al Qaeda leader reported held in Karachi’ titelt die Dawn, die mir jeden Morgen vor die Tür gelegt wird. Wird jetzt die ganze Region befriedet, jetzt wo der Kopf der Bande dingfest ist, fragt man sich da. In unserer Festung spürt man sowieso nichts von der ganzen Spannung im Land. Die Headlines wirken surreal, man liest sie als ob das irgendwo weit weg passiert wäre. Die Sonne scheint, draussen spielen Kinder, regelmässig hört man die Gebetsrufe der Imanen und in der ferne locken die goldbraun leuchtenden Margalla Hügel – es reut einem an so einem schönen Tag arbeiten zu müssen. Wie friedlich und wunderbar dieses Land doch ist!
Die grosse Ernüchterung folgt jedoch nur wenige Stunden später. Eine Autobombe explodiert neben dem FIA (das pakistanische FBI) in Lahore! Bilanz für den 8 März: 12 Opfer, 81 Verletzte, FIA Gebäude zerstört. Laut Dawn liegt ein Bekennerschreiben der Talibans vor: dies sei die Rache für die Drohnen Angriffe in den Stammesgebieten. Was für ein Irrsinn!
Trotz dieser schrecklichen Ereignisse nimmt unser Workshop ganz normal seinen Lauf. Fast normal. Das ganze fängt mit einer etwa 1-stündigen Verspätung an, da alle Strassen um wichtige Gebäude in Islamabad gesperrt wurden. Die Teilnehmer müssen daher lange Umwege in Kauf nehmen um am Workshop teilzunehmen. Sämtliche Teilnehmer stammen aus Pakistan und Afghanistan, sind also von den Ereignissen mehr oder weniger direkt betroffen. Einer der Teilnehmer wohnt keine 500m vom Anschlagsort entfernt. Die Wucht der Detonation hat die Scheiben seines Hauses brechen lassen. Viel kann er aber in dieser Situation nicht machen und so bleibt eigentlich keine andere Wahl als wie gewohnt weiterzuarbeiten… Inch Allah.