
Es kommt ja schon häufig vor, dass man sich ein Land anders vorstellt als es wirklich ist. Aber Pakistan ist in dieser Hinsicht ganz besonders. Auf der einen Seite sind da die unaufhörlichen Nachrichten über unverständlich Terrorattacken (Bilanz für den 5. März: 2 Anschläge, 14 Opfer, 1 Entführung; Quelle: Dawn). Auf der anderen Seite gibt es da die immense arabische Gastfreundschaft.
Unser Hotel gleicht einer Festung. Ein halber Kilometer vor dem Eingang gibt es den ersten Kontrollposten. Danach folgt ein 300m langer Slalomparkur, wo jedes ankommende Fahrzeug zwischen massiven Betonblöcken sich durchschlängeln muss. Schlussendlich kommt man zum zweiten Posten, wo ein Wachmann mit einem Spiegel die Unterseite der Fahrzeuge nach Sprengstoff kontrolliert. Vor dem Hotel muss dann noch jeder Ankommende durch einen Metalldetektor gehen. Dann hat man’s geschafft und kann im Hotelkomplex den Luxus geniessen – Fitness, Buffet, Wellness incl..
Das echte Pakistan liegt jedoch vor dem ersten Kontrollposten. Am späteren Nachmittag machen Markus und Ich uns auf den Weg die Umgebung zu erkundigen. Vor einer kleinen Moschee mit echten Minaretts (hübsche kleine Türmchen, die in der Schweiz nun definitiv verboten sind) kommt uns ein junger Student entgegen. Ohne zu zögern grüsst er uns und zeigt uns die Gegend und erklärt uns, dass wir uns auf dem Gelände einer moslemischen Schule befinden. Mit seinem gebrochenen Englisch lädt er uns zu einer Tasse Tee ein. Sein Zuhause besteht aus einem kargen Betonraum, den er mit der Familie seines Bruders teilt. Der Boden ist mit Teppichen ausgelegt, an der Wand hängen Blumen, Möbel gibt es keine. Er serviert uns Mandeln und (sehr) süssen Tee und erzählt uns enthusiastisch über sein Studium.
Während er uns das alles erzählt wird mir klar, dass der junge Mann uns hier so ziemlich seinen ganzen Besitz präsentiert. Stolz knackt er eine Mandel nach der anderen, und fordert uns auf seine Gabe anzunehmen, während er selbst sich in Zurückhaltung übt. Mir ist das fast etwas peinlich – aber er insistiert mit einer unaufhörlichen Herzlichkeit. Das ist wohl die legendäre pakistanische Gastfreundschaft!
Nun, nachdem uns der junge Student seinen Brüdern vorgestellt hat laden wir Ihn zu einem Glass Orangensaft im nächsten Lokal ein. Das mindeste das wir als Entgeltung tun können. Soviel mal zu meinen ersten Eindrücken – melde mich wieder.
Alles Gute aus Islamabad.