
Er kam, sah und überzeugte – Der gute alte Bill hat mit Witz und Charme ganz Incline in Euphorie gestürzt und das mit ganz unamerikanischen Themen wie Klimaschutz, Diplomatie und erneuerbare Energien. Logisch, dass bei einem so talentierten Redner der steife Al und der ‚patscherte’ Arni sich lieber zieren und andern Aktivitäten nachgehen. Ja, soweit ich das beurteilen kann war der 10te Jahrestag des Lake Tahoe Forums ein Vollerfolg. [Bemerkung: eigentlich habe ich ja eine grosse Hochachtung vor unserm Arni - das ‚patscherte’ passte einfach gerade so richtig in den Satz]
Schon die ganze Woche hindurch liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren – das Treppenhaus wurde neu gestrichen, die Fenster wurden geputzt, der Rasen gemäht und zusätzlich bewässert – und das war nur die Spitze des Eisbergs. Bei uns im Büro liefen die Telefonleitungen heiss, da der Event auch eine enorme Finanzquelle ist: ganze $132 Millionen werden von Staat Kalifornien und Nevada in die weitere Erhaltung der Region gesteckt. Ein ordentlicher Zustupf zu den $950 Million die seit 1997 schon in die Region gesteckt wurden. Im Vergleich dazu sind die ca. 200′000 Franken, die für meine Diss über den Brienzersee locker gemacht wurden, ein Klacks.
Am Donnerstag kommt unsere Sekretärin zu mir ins Büro und überbringt mir ein brandneues UC Davis Polohemd – das sollte ich für den ‚big event’ anziehen. Ehrlich gesagt verstehe ich nicht ganz warum mein schon etwas verwaschenes Alinghi Leibchen da nicht adäquat sein sollte. Aber das weibliche Geschlecht war noch nie zufrieden mit meinen modischen Accessoires J.
Abends ladet Anne zur einer ‚Fisch fry’ Party ein. Sie hat 12 ‚blue gill’ (eine Fischart aus dem Tahoe) geangelt, Grund für eine Party. Bill ist natürlich das Hauptgesprächsthema an diesem Abend. Es tönt sich fast schon sehnsüchtig an, wie die Leute an die pre-Bush area zurückdenken. Neben dem Schlamassel, den die Bush Administration seit knapp 6 Jahren angerichtet hat, ist auch der Umweltschutz ein Hauptthema. Die globale Erwärmung trifft nämlich auch die Tourismus Region am Tahoe – im Winter gibt’s weniger Schnee in den Skigebieten und im Sommer führt erhöhte Algenproduktion im See zu weniger klarem Wasser. Obendrauf hat sich der Jahresniederschlag in der Region drastisch verringert, was früher oder später in Zentral- und Südkalifornien zu Wasserknappheit führen wird. Aber Kalifornier sind nun mal progressiv und innovativ – ‚der Benzinpreis soll auf $8 pro Gallone erhöht werden und damit sollte der öffentlicher Verkehr ausgebaut werden’ bekomme ich da zu hören. Und das in einer Region, wo auch der ärmste Student ein Ford F150 fährt (4,6 l, V8, 248 HP) unter dem ich mit mein Neon fast unten durch fahren könnte. Der Weg zu dem viel propagierten ‚green state California’ wird schwierig werden, das Potential ist bare schon mal vorhanden.
Am Freitag ist es dann soweit und alles steht im Zeichen des Forums – das Dorfzentrum ist für den privaten Verkehr gesperrt worden. Dem ‚Highway’ entlang haben Besucher aus überallher ihre Autos abgestellt. Ich komm mit meinem Fahrrad und meinem ‚UC Davis Badge’ problemlos durch alle Sicherheitsabsperrungen. Auf dem Parkgelände vor dem Sierra Nevada College ist eine grosse Bühne aufgestellt worden vor der ca. 1000 Klappstühle aufgereiht worden sind. Daneben hat ein Autohändler allerlei Hybrid-, Elektro- und Erdgasautos ausgestellt. Das Interesse ist gross, werden doch die kleinen ‚Zero Emission’ Autos wie exotische Wunderkisten bestaunt. Als Haupteinsatzgebiet wird jedoch der Golfplatz angepriesen. Bis man den echten Sinn hinter alternativen Antrieben hier verstehen wird, wird es wohl noch einige Jahre dauern.
Ich befreunde mich mit einer jüdischen Grossmutter, die in der für Clintongäste reservierten Zone, in der 2. Reihe sitzt. Sie reserviert mir einen Platz gleich neben Ihr und ich besorge Ihr dafür kaltes Wasser, Schreibutensilien für ein Autogram und Papierunterlagen, die ihr als Sonnenschutz dienen. So kann ich in Ruhe das ganze Areal besichtigen und habe dennoch einen idealen Sitzplatz garantiert. Wie sich herausstellt kommt die Dame ursprünglich aus Wien, ihre Enkelkinder wohnen aber in der Schweiz. Stolz erzählt sie mir, dass ihr jüngstes Enkelkind gerade einen Moslem geheiratet hat. Eine Vermischung der Religionen sei die beste Lösung des aktuellen Kulturenkonfliktes, behauptet sie fest.
Mit 10 min Verspätung kommt der hohe Gast, in Begleitung von Sen. Reid [D-NV, Majority Leader], Sen. Feinstein [D-CA], Governor Gibbons [R-NV], Lt. Governor Garamendi [D-CA, und Arni Vertreter - da wird’s ja schon fast heimelig] und weiteren Senatoren. Wie ein Rockstar wird er umschwärmt, Applaus, Jubelrufe und Zwischenrufe, er solle Amerika wieder auf die richtige Schiene bringen und mit Hillary ins weisse Haus zügeln.
Nach dem traditionellen ‚Pledge of Allegiance’ (eine Art Schwur an das Sternenbanner) wird die Zeremonie von A. Wallace, einen ehemaligen Häuptling der Washoe Indianern, mit einem Gebet eröffnet. Dann kommen nacheinander alle Senatoren und Gouverneure zur Sprache, die sich alle mit Weisheiten profilieren wollen: der Wald sei zu dicht und sei der Grund für die aktuellen katastrophalen Waldbrände, der Klimawandel mache die Region trockener deshalb muss der Wald gelichtet werden, Schnitzelholz für Brennöfen seien eine saubere alternative Energie, so und so viele Millionen seien für dieses und jenes Projekt aufgewendet worden. Aus meiner Sicht hält nur Sen. Feinstein [D-CA] eine erwähnenswerte Rede, in der sie die abnehmende Wasserqualität, den äusserst trockenen Boden welcher der Hauptgrund für die verheerenden Waldbrände ist und die zunehmende Wassertemperatur des Sees in direkten Zusammenhang mit der globalen Klimaerwärmung stellt.
Zum Schluss kommt der lang erwartete Moment: Bill, der bisher mit halboffenen Mund sich alle Reden, Danksagungen und Lobe aufmerksam angehört hat, hat gleich mit dem ersten Satz die Sympathie der Anwesenden erobert: er seie froh, dass sein Willkommensgeschenk (ein Plakat des Tahoes) beim Runterfallen (ein Windstoss hatte das Plakat kurz zuvor in die Menge geblasen) niemanden erschlagen hat. Die Menge lacht. Clinton schafft es, die Zuhörer mit ernsten Themen wie Klimaschutz, Energieproblematik und Interessenskonflikte zu beeindrucken indem er immer wieder auflockernd die aktuelle Regierung veräppelt. Seine ‚Message’ besteht aus 2 Punkten: 1) Die angesprochenen Themen sind ernst zu nehmen und 2) die USA sind seit jeher im ‚solution Business’ weltführend, nicht im ‚attack business’. Die USA sollen die Führung übernehmen um mit anderen Nationen Lösungen für die globalen Probleme auszuarbeiten, denn Indien, China oder Russland werden von sich aus kaum die Initiative ergreifen und Europa ist zu nachgiebig. Tja, wenn man das hört könnte der europäische Vorsprung (wenn man das überhaupt so nennen darf) in Umweltfragen bei einem Regierungswechsel in den USA schnell mal weg schmelzen.
Am Ende nimmt der gute Bill ein Bad in der Menge, schüttelt Hände, gibt Autogramme, beantwortet Fragen – bis Ihn seine Bodyguards zur Limousine gleiten, mit der er zur Nächsten Veranstaltung (Fundraising für Hillary) düst. Und diesen guten alten Bill wollten sie des Amtes entheben, weil er sich ein Spässchen mit einer Praktikantin erlaubte, während der W trotz beständigen Lügen und unbegründeten Krieg immer noch im Oval Office sein Unfug treibt. Na dann, Cheers!

